Zwei Profis, zwei unterschiedliche Wege – und eine Begeisterung, die früh begann. Wie Liane Lippert fand auch Maximilian Schachmann schon als Kind zum Radsport. Vor der Straßen-WM in Montréal spricht er über seine eigenen Anfänge, darüber, wie ihn der Radsport geprägt hat, und warum Kinder selbst herausfinden sollten, was sie am Radfahren begeistert.

Maximilian, heute fährst du bei den größten Rennen der Welt. Erinnerst du dich noch daran, wann aus einfachem Radfahren bei dir echte Begeisterung für den Radsport wurde?
An einen ganz speziellen Zeitpunkt, an dem aus dem einfachen Radfahren für mich echte Begeisterung geworden ist, kann ich mich nicht erinnern. Ich glaube, ich hatte schon immer eine Begeisterung für das Radfahren und bin dann über die Jahre immer weiter in den Sport hineingewachsen. Heute, nach so vielen Jahren, kann ich sagen, dass ich immer noch der Überzeugung bin, dass es eine großartige Sportart ist, die ich immer wieder aufs Neue genieße.
Welche Erinnerungen verbindest du mit deinen ersten Jahren im Radsportverein – und was hat dir der Verein damals gegeben, das über das Radfahren hinausging?
Ich habe im Alter von elf Jahren mit dem Radsport begonnen, damals beim Marzahner Radsportclub, und bin später zum SC Berlin gewechselt. Ich habe noch viele Erinnerungen an die Vereine, an Michael Lemke und Volker Schuster, die damals Vorsitzende der Vereine waren, aber auch an die vielen Sportler, mit denen ich dort viel Zeit verbracht habe.
Es war natürlich eine sehr prägende Zeit meiner Kindheit. Ich habe viele gute Erinnerungen daran, aber auch an harte Phasen: wenn ich nach der Schule abends im Dunkeln und bei Regen zum Training gefahren bin, dort trainiert habe und anschließend wieder zurück. Trotzdem war es eine tolle Zeit, die nicht ausschließlich, aber sicherlich mit dazu beigetragen hat, den Menschen zu formen, der ich heute bin.
Der Sport hat mich viel über Ehrgeiz und Disziplin gelehrt – Eigenschaften, die ich heute als Radprofi natürlich brauche, von denen ich aber auch in jeder anderen Laufbahn profitiert hätte.
Du bist als Kind viel mit dem Rad unterwegs gewesen, unter anderem auf dem Weg zur Schule, und bist mit etwa elf Jahren dein erstes Rennen gefahren. Damals ging es noch nicht um eine mögliche Profikarriere, sondern vor allem um den Spaß am Radfahren. Was hat dich damals so gepackt, dass du dabeibleiben wolltest?
Ich habe mich damals dem Marzahner Radsportclub angeschlossen, das war wahrscheinlich im August 2005, wobei ich mir bei dem genauen Zeitpunkt nicht mehr ganz sicher bin. Kurz darauf bin ich mein erstes Nachwuchs-Amateurrennen gefahren, für das man noch keine Lizenz brauchte. Ich stand direkt auf dem Podium.
Mich hat es begeistert, mich dort mit anderen zu messen, und es hat mir einfach viel Spaß gemacht. Das hat mir am Ende den Antrieb gegeben, den Sport weiter zu betreiben und zu verfolgen.
Nicht jedes Kind, das heute in einen Radsportverein kommt, wird später Profi – und das muss auch gar nicht das Ziel sein. Was kann der Radsport Kindern aus deiner Erfahrung trotzdem fürs Leben mitgeben?
Ich denke, das ist der Normalfall, dass man nicht den Weg eines Profi-Athleten einschlägt, und ich glaube, das ist auch gar nicht wichtig. Radsport ist einfach eine schöne Sportart, bei der man viel erleben kann, tolle Menschen trifft und gerade als Kind in einem guten Umfeld aufwachsen und sich viel an der frischen Luft bewegen kann.
Ich denke, dass einem dieser Ausdauersport sehr viel für das Leben beibringen kann. Dazu gehört Teamwork: seine Gruppe nicht im Stich zu lassen, auch wenn es hart wird – zum Beispiel bei kalten oder regnerischen Ausfahrten – und sich gegenseitig den Antrieb zu geben, gemeinsam durchzukommen.
Der Sport lehrt Disziplin und Ehrgeiz, aber in gewisser Weise auch Geduld. Manchmal muss man einfach einen Plan abarbeiten und mit Geduld und Ehrgeiz darauf vertrauen, dass am Ende ein Ergebnis entsteht. Ich denke, das sind Fähigkeiten, die man sich im Radsport aneignen kann und die im Leben immer nützlich sein können.
Wenn du heute Kinder bei einem Vereinstraining siehst: Gibt es etwas, bei dem du dich sofort an den jungen Maximilian erinnerst?
Ja, ich erinnere mich oft an mich selbst, wenn ich junge Fahrer oder Kinder beim Radfahren sehe. Ich genieße es auch, Kinder dabei zu beobachten, wie sie Rad fahren, weil sie noch nicht diesen professionellen Blick auf den Sport haben.
Wie schon gesagt: Jeder fängt klein an. Ich habe auch einfach angefangen, hatte in den ersten Jahren komische Stürze und habe Fehler gemacht. Wenn man das heute bei Kindern sieht, erkennt man sich manchmal selbst wieder. Und ich denke, man sollte sich immer bewusst sein: Jeder Profi hat einmal genau so angefangen. Für mich bringt das immer wieder Erinnerungen an meine eigenen Anfänge zurück.
In derselben Woche, in der bei der KidsWeek Kinder in ganz Deutschland aufs Rad gebracht werden sollen, findet die Straßen-WM in Montréal statt. Was würdest du einem Kind sagen, das die Rennen sieht und danach selbst unbedingt aufs Rad steigen möchte?
Ich würde jedem Kind einfach raten, es auszuprobieren – ohne jeglichen Druck. Einfach aufs Rad setzen, den Sport kennenlernen und dann für sich selbst herausfinden, was einen daran antreibt.
Vielleicht ist es einfach nur das Fahrradfahren in wunderschöner Natur. Vielleicht ist es die Möglichkeit, beim Radfahren den Kopf frei zu bekommen und Gedanken durchzugehen. Vielleicht ist es aber auch das pure Rennfahren und das Sich-Messen mit anderen. Jeder sollte es ausprobieren und dann für sich selbst den Weg definieren, wohin einen der Radsport führen soll.