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October 20, 2026

GEMEINSAM FAHREN – AUCH AUF DER ROLLE

Evelin Joss über die Erfolgsgeschichte der vRTF, eine wachsende digitale Community und die Frage, warum gemeinsames Radfahren auch auf dem Smarttrainer funktioniert.

©German Cycling Evelin Joss

Evelin, die vRTF ist ursprünglich in der Corona-Zeit entstanden. Inzwischen fahren bei einzelnen Terminen mehr als 300 Menschen mit. Hat dich diese Entwicklung überrascht?

Ja, im schönsten Sinne. Für mich ist die vRTF vor allem eines: der Magnet im Winter. Wenn es draußen früh dunkel und kalt wird, ist sie der feste Termin, auf den sich viele die ganze Woche freuen. Dass sich das so schnell und stabil entwickelt, hätte ich am Anfang nicht gedacht. Inzwischen gehört die vRTF für viele so selbstverständlich zur Saison wie die RTF im Sommer.

Die Zahlen bestätigen das: 2024 waren im Schnitt 190 Teilnehmende je Termin dabei, 2025 bereits 287 und im ersten Quartal 2026 durchschnittlich 332. Seit 2024 sind mehr als 1.000 verschiedene Sportlerinnen und Sportler mitgefahren. Fast zwei Drittel kommen im folgenden Jahr wieder.

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Was macht für dich den Reiz aus, gemeinsam Rad zu fahren, obwohl jede und jeder zu Hause auf dem eigenen Smarttrainer sitzt?

Man sitzt zwar allein zu Hause, aber man fährt nicht allein. Zur Startzeit gehen Hunderte gleichzeitig los, man sieht die anderen um sich herum, fährt in der Gruppe und hängt sich an ein Hinterrad. Es gibt keinen Leistungsdruck und keine Platzierung – jede und jeder fährt im eigenen Tempo und ist trotzdem Teil des Ganzen. Und das Gemeinsame hört mit dem Ride nicht auf: Im Strava-Club teilen die Leute danach ihre Fahrten, kommentieren die Aktivitäten der anderen und freuen sich auf die nächste Woche. Allein auf der Rolle trainiert man – bei einer vRTF fährt man zusammen.

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Und wie funktioniert eine vRTF konkret – was brauche ich, wenn ich zum ersten Mal mitfahren möchte?

Eigentlich braucht es nicht viel: einen Smarttrainer, einen Zugang zu Zwift, Rouvy oder MyWhoosh und die kostenlose GC Touren App. Wer seine Kilometer gewertet haben möchte, braucht dazu eine Breitensport-Lizenz. Es ist kein Rennen – jede und jeder wählt 30, 60 oder 90 Kilometer und fährt im eigenen Tempo. In der Indoor-Saison von Oktober bis März starten wir donnerstags um 18 Uhr, an vielen Wochenenden zusätzlich sonntags um 10 Uhr. Alle Termine stehen in der GC Touren App. Dort findest du auch den Weg zum Event auf deiner Plattform. Du meldest dich im Event an, startest innerhalb von 30 Minuten und fährst deine Distanz voll. Danach reichst du den Nachweis über das Formular in der App ein, und die Kilometer werden mit dem Faktor 1,2 für die Breitensport-Lizenz gewertet. Pro Woche zählt eine Wertung – entweder Donnerstag oder Sonntag.

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Die Teilnehmerzahlen steigen deutlich. Wer fährt inzwischen bei euch mit?

Von Einsteigerinnen und Einsteigern bis zu echten Vielfahrern ist alles dabei. Besonders stark gewachsen ist die 30-Kilometer-Distanz: Ihr Anteil ist von 19 auf 33 Prozent gestiegen. Das zeigt uns, dass wir auch neue Leute erreichen. Gleichzeitig gibt es eine sehr treue Community. Im ersten Quartal 2026 sind beispielsweise 53 Personen alle zwölf Termine gefahren.

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Du selbst bist auch draußen leidenschaftliche RTF-Fahrerin. Ist virtuelles Fahren für dich ein Ersatz für die Straße – oder etwas Eigenes?

Für mich ist die vRTF kein Ersatz, sondern etwas Eigenes, das wunderbar dazugehört. Draußen auf der Straße unterwegs zu sein, die Landschaft, das Wetter, die Kontrollstellen und die Gespräche in der Gruppe – das ist für mich Radsport pur. Die vRTF schenkt mir im Winter die Möglichkeit, dranzubleiben und mit vielen Menschen zu fahren, die ich im Sommer bei den RTFs treffe. Und es ist schön, wenn man sich im Frühjahr draußen begegnet und sich von der Rolle schon kennt. So halten beide Formen die Breitensport-Gemeinschaft das ganze Jahr zusammen.

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Rund um die vRTF ist inzwischen eine digitale Community entstanden. Wie entwickelt sie sich weiter?

Unsere Clubs auf Strava und Zwift wachsen stetig, dazu kommt seit diesem Herbst ein eigener Discord-Server. Dort finden die Teilnehmenden Termine, Neuigkeiten und Anleitungen. Auf Zwift laufen unsere Events inzwischen mit einem eigenen German-Cycling-Banner, und unser German-Cycling-Trikot ist fertig – sobald es freigeschaltet ist, können alle darin fahren. Das macht German Cycling auf Zwift noch sichtbarer.

Neben der vRTF gibt es auf Zwift die GC Rides, unsere Social Rides. Sie sind ein eigenständiges Angebot außerhalb der vRTF-Termine und offen für alle. Trotzdem gehören sie zur selben Community: Wer bei einem Social Ride mitrollt, lernt uns kennen – und findet im besten Fall den Weg zur vRTF und zur Breitensport-Lizenz. Für die Zukunft wollen wir den virtuellen Radsport bei German Cycling weiter ausbauen und auf allen drei Plattformen – Zwift, Rouvy und MyWhoosh – noch präsenter werden.

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Was treibt dich persönlich an, die vRTF weiterzuentwickeln?

Zuerst einmal der Radsport selbst. Diese Faszination, die einen packt und nicht mehr loslässt – ob draußen auf der Straße oder im Winter auf der Rolle. Und dann das Gefühl, etwas entwickeln zu dürfen. Mich spornt es an, Teil von Fortschritt und Veränderung zu sein, Neues auszuprobieren und zu sehen, wie daraus etwas wächst. Am meisten aber begeistert mich, Menschen zu begeistern. Wenn jemand zum ersten Mal bei einer vRTF dabei ist und danach sagt: „Ich bin nächste Woche wieder da“, dann weiß ich, wofür ich das mache.

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